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Klever Kaskade

Geschichte

Seit 1909 führt ein Trennsystem die Regen- und Schmutzwässer der Stadt Kleve in den Rhein. Zunächst wurden die Abwässer der Ober-, Mittel- und Unterstadt über drei Hauptsammler abgeleitet. Während die Schmutzwässer über Kläranlagen und Pumpwerke direkt in den Rhein münden, werden die Regenabwässer zunächst Vorflutern, wie dem Kermisdahl, dem Spoykanal oder dem Rindernschen Schaugraben, zugeführt.

Kaskade vor BoeschungsabgangNach dem Krieg und dem beseitigen der Kriegsschäden wurde 1949 die Erweiterung des Kanalnetzes geplant, um weitere Gebiete in der Oberstadt zu erschließen und eine passende Infrastruktur für das neu zu bauende Klever Krankenhaus zu bieten. In diesem Rahmen enstand der vierte Hauptsammler, der Südrandsammler. Der neue Südsammler sollte sowohl die Abwässer im Süden der Stadt, als auch Teilgebiete von Materborn abführen. Außerdem sollte der neue Hauptsammler den bereits bestehenden Hauptsammler der Oberstadt entlasten.

Das Regenwasser des Südsammlers fließt, zwischen Nassauerallee und Kermisdahlhang, durch einen 76 m langen Tunnel, über die Kaskade, welche einen Höhenunterschied von ca. 20m überwindet, in den Kermisdahl als Vorfluter.

Böschungsbruch an der Kaskade

Am 04.05.2017 ist ein Teilbereich des Hanges hinter der Straße „Eiserner Mann“ in Höhe der Kaskade am Kermisdahl abgegangen. Grund war ein defekter Kanal, der linksseitig der Kaskade Regenwasser in den Kermisdahl leitet. Durch diesen Defekt wurde der Hang unterspült. Er war von der Feuchtigkeit so gesättigt, dass nahezu die komplette Böschung linksseitig der Kaskade in den Kermisdahl gerutscht ist.

Durch die immer stärker werdenden Regenfälle (Starkregen) ist die Beanspruchung der Kaskade enorm gestiegen. Die anfallenden Wassermassen treten bei starken Regenfällen zeitweise über die Mauerwangen der Kaskade und unterspülen den Uferbereich. Diese Auswirkungen des Klimawandels waren zum Zeitpunkt der Errichtung der Kaskade noch nicht bekannt. Eine Vielzahl von Maßnahmen zur Sicherung der Kaskade waren daher in den letzten Monaten erforderlich.

Beginn der Sicherungsmaßnahmen an der KaskadeNach dem Abrutschen der Böschung im Bereich der Kaskade waren zwingende Sicherungsmaßnahmen notwendig, womit ein weiteres Abgleiten des Hanges und eine Beschädigung der Kaskade verhindert werden sollte. Insbesondere bestand die Gefahr, dass das Gebäude oberhalb der Böschung (Straße „Eiserner Mann“) abrutschen könnte. Ehrenamtliche Helfer des THW und der Freiwilligen Feuerwehr sicherten zunächst mit Sandsäcken die Böschung.

Auf der Grundlage der Empfehlungen eines eingeschalteten Baugrundgutachters sowie einer Statikerin wurden folgende Sicherungsmaßnahmen umgesetzt:

  • Erstellen eines provisorischen Dammes im Kermisdahl als Zufahrt zum Hang - Sicherung des Auslaufbeckens (Höherlegung des Fußweges, Schotteranschüttung)
  • Spundwandreihe im Bereich der Uferböschung Kermisdahl
  • Spundwandreihe hinter dem Auslaufbecken (Plattform für Baugeräte)
  • Vernagelung der Böschungsbereiche ober- und unterhalb der Bebauung am Eisernen Mann

Arbeiten an den SpundwaendenZur temporären Hangsicherung und -stabilisierung wurde lagenweise ein Grobschottermaterial aufgebracht. Die Böschung im Kaskadenbereich wurde vom THW mit Folie abgedeckt, um bei starken Regenfällen den zusätzlichen direkten Regenwassereinlauf zu verhindern. Das Hauptproblem war, dass für die Standsicherheit der Böschung aufgrund der Böschungsneigung von über 50° kein statischer Nachweis geführt werden konnte. Darüber hinaus konnten auch keine Angaben gemacht werden, ob sich Schichtenwasser im Hang befand. Hieraus resultierte, dass die Lage des sogenannten „Gleitkeils“, also der Bereich über dem die Böschung abrutschte, unklar war.

Zur Sicherung des Hanges wurden Spezialgeräte aus Frankfurt angefordert, damit die Spundwanddielen bis zu 12 Meter tief in den Hang eingebracht werden konnten. Aufgrund der Baugrundsituation dauerte diese Maßnahme länger als zunächst angenommen. Als weitere Sicherungsmaßnahme wurden 86 Stahlnägel, mit Hilfe eines speziellen Raupenfahrzeuges, eingebracht. Die Stahlnägel wurden in drei Reihen, ober- und unterhalb der Bebauung und in bis zu 7 Meter Tiefe eingebracht. Darüber hinaus wurde ein Erosionsschutznetz auf der Böschung aufgebracht, um ein Abrutschen  des Oberbodens zu verhindern. Erst nach Abschluss dieser Hangsicherung konnte der Baugrundgutachter die für die Erkundung der Bodenkenngrößen und den statischen Nachweis erforderlichen Rammsondierungen durchführen.

Während der gesamten Maßnahmenzeit mussten regelmäßig vermessungstechnische Arbeiten stattfinden. Diese dokumentierten die Höhenlage der Böschung. Dies war insbesondere im Bereich der Wohnbebauung der Straße „Eiserner Mann“ erforderlich.

Erneute Risiken durch starke Regenfälle 2018

Nach Fertigstellung der Spundwand setzten im Juni 2018 ergiebige Starkregenfälle ein. Es bestand die Gefahr, dass der Böschungsbereich im Auslaufbauwerk der Kaskade hätte unterspült werden können und somit die Standfestigkeit der Kaskade gefährdet hätte. Auf Empfehlung des Baugrundgutachters wurde eine Stahlbetonplatte am Fuß der Kaskade betoniert und der Fußweg mit einer Schicht Grobschottersteinen befestigt. So wurde ein Ausspülen des Uferbereichs zunächst verhindert. Am Auslaufbauwerk wurden darüber hinaus schwere Betonsteine aufgestellt, die den Wasserschwall brechen sollten.

Die starken Regenfälle (Gewitter) im August und September 2018 führten erneut zu Ausspülungen und Verkolkungen im Uferbereich. Es wurden weitere Sicherungsmaßnahmen im Bereich des Ufers notwendig. Wiederum drohte die Gefahr, dass bei weiteren Ausspülungen das Widerlager der Kaskade im Bereich des Auslaufbauwerks abzurutschen drohte und somit eine Bruchgefahr für die Kaskade bedeutete. Im gesamten Uferbereich der Kaskade wurden daher großformatige Wasserbausteine aufgebracht, die mit einer Zementschlämme miteinander „verklebt“ wurden. Die beschriebene Bauweise mit verklebten Wasserbausteinen ist eine gängige Ufersicherungsmaßnahme im Wasserbau (z.B. an Flußufern).

Aktueller Stand

Die gesamte Baumaßnahme ist derzeit noch nicht in Gänze abgeschlossen, da der Damm im Kermisdahl zurückgebaut und das Gewässer noch ausgebaggert werden muss. Da der Bagger hierzu auf der Wegefläche stehen muss, können die abschließenden Arbeiten am Prinz-Moritz-Wanderweg erst im Anschluss durchgeführt werden.

Stand nach Freigabe im November 2018Im November 2018 wurde die Politik im Rahmen der Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses über den derzeitigen Zustand der Kaskade und des Wanderweges im Uferbereich unterrichtet.

In erster Linie ging es bei den Arbeiten an der Kaskade darum, einen weiteren Böschungsabgang und somit das Abrutschen des Wohngebäudes oberhalb der Böschung, zu verhindern. Diese Gefahr bestand bis zum Zeitpunkt der „Vernagelung“ der Böschung. Die beschriebene Uferbefestigung war daher keine planlose Aktion, wie in einigen Berichterstattungen dargestellt wurde, sondern eine bautechnisch zwingend erforderliche Maßnahme zur Ufersicherung. Stand Januar 2019 wurden bereits 1,5 Millionen EUR in den Wiederaufbau und vor allem in die Sicherung der Kaskade investiert.

Wie es weiter geht

Im nächsten Schritt werden mit dem Baugrundgutachter die Möglichkeiten erörtert, die Oberfläche des Weges zu optimieren und den Uferbereich optisch zu verbessern. Hierzu hat es bereits erste Gespräche gegeben.

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