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Die Düffel

Grenzüberschreitend vom Reichswald bis zum Rhein erstreckt sich die größte Teilfläche von De Gelderse Poort. Auf deutscher Seite "Düffel" genannt, spricht man auf der niederländischen Seite mittlerweile zunehmend vom "Oijpolder".

FlugformationenDie Düffel hat in weiten Teilen noch den Charme einer altbäuerlichen Kulturlandschaft. Demzufolge ist die Besiedlung sehr gering und der anthropogene Einfluss relativ gering. Hier leben noch sehr seltene Wiesenvogelarten und die arktischen Wildgänse sorgen im Winter für ein einmaliges Naturschauspiel, wenn sie zu Zehntausenden auf den ausgedehnten Wiesen- und Weidenflächen die kärglichen grünen Grasreste abäsen.
Doch auch die Düffel unterlag in den letzten 2000 Jahren einem stetigen Wandel. Ursprünglich noch eine unberührte Stromlandschaft aus Altrheinarmen, Röhrichten, Kolken, Brach- und Sandflächen sowie Auwäldern hielt der Mensch Einzug. Die Römer sorgten durch den Bau von Dämmen und mehr oder minder erfolgreichen Entwässerungsmaßnahmen für den ersten großen Umbruch der Landschaft. Lange Zeit veränderte sich die Landschaft dann verhältnismäßig wenig, war sie doch nach wie vor für die Landwirtschaft kaum nutzbar. Doch Stück für Stück verschwanden die Wälder. An deren Stelle entwickelten sich Wiesen, die letztendlich als Weiden genutzt wurden. Die Landwirtschaft hielt Einzug und wurde durch verbesserte Deichbaumaßnahmen in ihrem Bestreben unterstützt, diese wilde Landschaft nutzbar zu machen.

Gravierender Wandel in der Nutzungsstruktur

Dominierte bis Mitte des 18. Jahrhunderts noch der Ackerbau, führte ein Preisverfall bei Ackerfrüchten für einen gravierenden Wandel in der Nutzungsstruktur. Fortan breitete sich die Milchviehhaltung zunehmend aus. Käse und Butter wurden das Hauptproduktionsgut in der Düffel.

RöhrichtzoneGerade in dieser Zeit wurde das Entwässerungssystem zunehmend ausgebaut. Anfang des 20. Jahrhunderts sorgen Pumpwerke für einen mehr oder minder konstanten Wasserstand. Beispielhaft sei hier die Seevensche Schleuse bei Wyler genannt, die das Wasser über das Wyler Meer zum Pumpwerk in Nijmegen führt, von wo aus das Wasser in die Waal gepumpt wird. Die Entwicklung setzte sich fort. Heute werden mehr als 70% der Gesamtfläche als Grünland genutzt. Dabei ist zu bemerken, dass gerade auf deutscher Seite aus Gründen des Naturschutzes viele Flächen extensiv genutzt werden. Zum Vorteil zahlreicher Feuchtwiesenbewohner wie der Uferschnepfe oder dem Großen Brachvogel.

Das Land und der Kreis investieren große Summe in den Ankauf von besonders schützenswerten Flächen. Bei der Verpachtung an hiesige Landwirte werden strenge Kriterien bezüglich der Nutzung gesetzt. So dürfen die Wiesen nicht vor dem 15. Juni gemäht werden und die Viehdichte ist gering zu halten. Und die Maßnahmen haben Erfolg. Die Zahl der seltenen Vogelarten steigt seitdem stetig an. Exemplarisch sei hier die Wiederansiedlung des Weißstorches zu nennen, der seit 50 Jahren in dieser Landschaft nicht mehr gesehen wurde, bis 1996 erstmals wieder ein Brutpaar beobachtet werden konnte.

Schilf im WindCharakteristisch für die Düffel sind die vielen Hecken aus Weißdorn, Schlehe und Hundsrose, die die unterschiedlichen Parzellen voneinander trennen. Die Hecken bilden einen unverzichtbaren Lebensraum für zahlreiche Vogel- und Kleintierarten wie Rebhuhn, Goldammeroder Marder. Eine Erfolgsgeschichte ist auch die Ausbreitung des Schwarzkehlchens, das vor einigen Jahren nur noch in wenigen Exemplaren zu beobachten waren. Heute ist dieser Vogel wieder in der ganzen Düffel heimisch.

 

Kopfweiden als Lebensraum für zahlreiche Tiere

Ein weiteres auffälliges Landschaftsmerkmal sind die Kopfweiden. Ursprünglich als Lieferant für Äste zum Flechten von Körben gepflanzt und gepflegt, dienen sie heute in erster Linie als Lebensraum für zahlreiche sehr seltene Tierarten wie etwa dem Steinkauz. Doch die Pflege ist dieselbe. Alle fünf bis acht Jahre müssen die Bäume extrem zurückgeschnitten werden, sonst droht der Baum umzustürzen oder gar durchzubrechen. Doch auch dann sind sie als Totholz noch ein vielbesuchter Lebensraum.

Bekannt ist die Düffel aber vor allem als Überwinterungsplatz für mittlerweile 100.000 arktische Gänse. Doch das war nicht immer so. In den siebziger Jahren waren Gänse noch eine Seltenheit. Erst seit Mitte der achtziger Jahre steigt die Zahl permanent an. Mitte September zeigen sich die ersten Gänse am Himmel. Hauptzuzugszeit ist allerdings der November. Und Mitte März ist der "Spuk" dann schon wieder vorbei. Die Gänse fliegen zurück zu ihren Brutplätzen, den Weiten der arktischen Landschaften.

saftige Weiden als FutterplatzHauptarten sind die Graugans, die Blässgans und die Saatgans, die sich in Zahl und Verhalten stark unterscheiden. Alle Gänsearten in einem Trupp beobachten zu können ist eher die Ausnahmen. Allerdings übernachten sie alle gemeinsam auf dem Wasser. Hauptschlafplatz ist De Bijland auf niederländischer Seite, wo abends bis zu 50.000 Gänse gezählt werden können.
Neben dem Zug zu den Schlafplätzen fliegen die Gänse in dieser harten Zeit nur noch mittags zum Trinken auf. Sieht man abseits dieser Zeiten Gänse im Formationsflug über den Himmel streichen, sind oft Störungen die Ursache. Dabei sollte man die Tiere so wenig wie möglich aufscheuchen, da jeder Aufflug unnötige Energie verbraucht, die mühsam wieder aufgenommen werden muss.

SchilfernteSelbst die Siedlungen in der Düffel haben einen großen ökologischen Wert. Alte Bauerngärten, die offene Bauweise und verfallene Schuppen und Scheunen bieten zahlreichen Kulturfolgern eine neue Heimat. Streuobstwiesen an den Dorfrändern sind von hohem ökologischen Wert, da hier Tiere ein Zuhause finden, die ansonsten in unserer Kulturlandschaft selten geworden sind. Schleiereulen brüten in Scheunen und Kirchtürmen, und auch die Waldohreule ist hier zu beobachten. Mehlschwalben kleben ihre Nester an Hauswände und Dohlen brüten auf Schornsteinen. Das Dorf lebt. Und die kleinen Gemeinden in der Düffel tragen Sorge dafür, dass dies auch so bleibt.

Immer wieder Kolke und Teiche

Zwischen den kleinen Siedlungen in der Düffel finden sich immer wieder Kolke und Teiche. Und auch ein richtiges Meer gibt es hier, das Wylermeer, ein flaches Gewässer bei Kranenburg. Kolke entstehen nach Deichbrüchen. Das durchgebrochene Wasser wäscht auf der Landseite eine Mulde aus, in der sich das Wasser halten kann. Diese Kolke sind im Laufe der Zeit zu wichtigen Lebensräumen insbesondere für Wasserpflanzen und Amphibien geworden. So lebt hier auch noch der Kammmolch, eine recht seltene Lurchart.

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